Anhaltische Landesuniversität gewürdigt

Der Vorstand verschafft sich in der historischen Bibliothek, die im ehemaligen Dormitorium der Mönche untergebracht ist, ein Bild der vorhandenen Schätze. V.l.n.r.: Prof. Dr. Adolf Spotka, Kreisoberpfarrer Jürgen A. Dittrich und Eduard Prinz von Anhalt vor den charakteristischen Regalen, die der Raumstruktur angepasst sind.
Der Vorstand verschafft sich in der historischen Bibliothek, die im ehemaligen Dormitorium der Mönche untergebracht ist, ein Bild der vorhandenen Schätze. V.l.n.r.: Prof. Dr. Adolf Spotka, Kreisoberpfarrer Jürgen A. Dittrich und Eduard Prinz von Anhalt vor den charakteristischen Regalen, die der Raumstruktur angepasst sind.

Der Vorstand konnte seine Sitzung am 20. September 2011 an einen historischen Ort verlegen und tagte in der Bibliothek des Francisceums in Zerbst. Bibliothekarin Petra Volger ermöglichte einen Einblick in den 44.200 Bände umfassenden Bestand der historischen Präsenzbibliothek, die ihren Ursprung in der Zeit der Gründung des „Gymnasium illustre Anhaltinum“, der ehemaligen Landesuniversität des Landes Anhalt hat. Die bis 1798 bestehende Universität sicherte unter anderem die Unabhängigkeit anhaltischer Theologen von den lutherisch geprägten Universitäten Wittenberg und Leipzig.

Die Bibliothek weist neben Handschriften und Inkunabeln unter anderem eine bedeutende Sammlung von Anhaltinen im Umfang von 2.700 Bänden auf und daneben zahlreiche Bände mit Leichenpredigten.

Im Laufe seiner Sitzung beschloss der Vorstand die Förderung der Restaurierung eines Bandes mit dem Taufbüchlein des Zerbster Superintendenten Wolfgang Amling aus dem Jahr 1590, dem zwei weitere reformationsgeschichtlich bedeutende Schriften beigebunden sind. Nach dem Abschluss der Arbeiten durch eine Leipziger Fachbuchbinderei soll der Band der Öffentlichkeit im Francisceum präsentiert werden.

Taufbüchlein restauriert

Am 31. Januar 2012 war es soweit. Der Sammelband aus dem Jahr 1590 konnte aus den Händen von Restaurator Christoph Roth, Leipzig, der Francisceumsbibliothek durch die Förderung der Stiftung Evangelisches Anhalt übergeben.

111 beschriftete Seiten umfasst der Band mit den drei selbstständigen Schriften, von denen zwei gedruckt und eine handschriftlich von mindestens vier verschiedenen Schreibern verfasst ist:

  • Wolfgang Amling. Taufbüchlein für die Kirchen im Fürstentum Anhalt Zerbst. Zerbst 1590.
  • Wolfgang Amling. Kurze Antwort auf etliche neulich wider die anhaltischen Kirchendiener ausgesprengte Schmähecharten. Zerbst 1590.
  • Manuskript mit Gebeten und liturgischen Formularen.

Wolfgang Amling (1542-1606) hat Reformationsgeschichte in Anhalt geschrieben und ist eng mit dem Francisceum und damit auch der Francisceumsbibliothek verbunden. Er war ab 1573 Pfarrer in St. Nicolai sowie ab 1578 Superintendent der Zerbster Landeskirche sowie Rektor des 1582 gegründeten Gymnasium illustre. Doch die Gründe, weshalb sich die Stiftung Evangelisches Anhalt für die Restauration gerade dieses Buches entschieden hat, sind vielfältiger. 1578 verlegte Amling nämlich die Ordination der Pfarrer von Wittenberg nach Zerbst. Damit leitete er die Geburt der Anhaltischen Landeskirche ein und unterstrich die Bedeutung des Fürstentums Anhalt. Daneben steht Wolfgang Amling, der gebürtiger Franke war, auch für ein Anhalt, das Menschen von außerhalb aufnahm und von ihren Erfahrungen lernte. Diese Tradition der Weltoffenheit ist etwas, das Anhalt noch heute gut tut und es prägt.

Thorsten Kessler berichtet davon in seinem Beitrag für Radio SAW.

(Eine Produktion des Internationalen Audiodienst Frankfurt für Radio SAW.
Zur Verfügung gestellt mit freundlicher Genehmigung von Herrn Kessler.
www.iad-ffm.de)

Am 1.2.2012 sendete das RBW Regionalfernsehen einen Fernsehbeitrag dazu, zu finden unter www.rbwonline.de.

Das Projekt wurde mit 625,- € gefördert.

Kontakt

Francisceumsbibliothek
Weinberg 1
39261 Zerbst
Telefon: 03923 740923